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Offener Brief

An Herrn Valentin Inzko, den Hohen Vertreter und Sonderbeauftragten der EU in Bosnien und der Herzegowina

Dieser Brief ist die Wiedergabe einiger Überlegungen und Gespräche unter Kroaten in der Herzegowina, deren Zeuge und Teilnehmer ich auch bin.

In der europäischen Geschichte waren Monarchen, genauso wie Sie, mit absoluter Macht ausgestattet, von Gottes Gnaden und deshalb nicht hinterfragbar. Das machte das leidvolle Leben der Untertanen eher erklärbar und erträglicher.

Heute werden wir tagtäglich gelehrt, dass wir die Souveränität über uns selbst haben, indem wir sie an die von uns mehrheitlich gewählten Vertreter abgeben. Und dies sei die Grundlage der Demokratie.

Wir verstehen diese einfachen Verhältnisse und sind froh darüber. Wir haben uns auch bei den letzten Wahlen genauso verhalten.

Nun sind Sie unser aller Souverän in diesem Lande, Sie stehen über Allem und Allen. Aber darüber haben wir nie abgestimmt.

Einige Ihrer Vorgänger waren zu uns Kroaten besonders ungerecht. Insbesondere Paddy Ashdown und Ihr Landsmann Wolfgang Petritsch. Sie hatten ihre geschichtliche Aufgabe erledigt, uns nach und nach ein tiefes Grab auszuheben.

Und nun obliegt offensichtlich Ihnen die historische Aufgabe, uns hineinzustoßen. Die Rolle des Vollstreckers!

In unserer langen Geschichte ist es nicht das erste Mal, dass wir ins eigene Grab blicken. Dieses Mal vergleichen wir zurecht mit 1493. Auch die Täter und deren Interessen sind zum großen Teil die gleichen. Deren Helfer und der Ausführende aber nicht.

Mit diesem Schreiben betteln wir aber keineswegs um Gnade. Keine Angst vor Unannehmlichkeiten! Denn auch wir haben keine Angst und werden uns nicht hineinstoßen lassen.

An Valentin, Bruder in Christus

Die Handlungen der Herrscher und Politiker, auch jene ungerechten, sind uns eher begreiflich. Die ungerechten Handlungen eines erklärten Christen sind es nicht.

Du wirst verstehen, dass wir einiges begreifen möchten und müssen. Denn auch Du wirst im Leben sicherlich erfahren haben, dass es erträglicher ist, wenn man versteht.

Wie kann ein erklärter Christ, dazu stolz praktizierender Katholik und Fan von Medjugorje, eine offensichtliche Ungerechtigkeit gegen ein Volk ertragen, sie sogar unterstützen und darüber hinaus in die Tat umsetzten?

Damit keine Missverständnisse entstehen: Wir erwarten von einem, der seinen Glauben mit uns teilt, keineswegs und kein bisschen mehr Gerechtigkeit als den anderen gegenüber. Keinen größeren Bissen. Alles andere wäre unchristlich. Gott bewahre!

Wie kann ein Christ das Bemühen um Gerechtigkeit in der Politik beiseite tun? Einige meinen, das wäre unmoralisch. Wir jedoch wollen keinen verurteilen, wir wollen lediglich verstehen. Das Urteil ist in Gottes Hand.

Unsere Hirten wollen uns helfen zu verstehen und sagen gut gemeint: "Er singt bloß ein Lied, das andere komponiert haben."

Wie denn das? Er ist doch nicht dumm, er ist eine autonome Persönlichkeit und vor allem: Er wird wohl ein Gewissen haben?!

Andere fügen hinzu, er stehe unter Druck und könne nicht anders, obwohl er möchte. Sie sagen, in seinem Herzen fühle er sicher anders, vielleicht würde er uns privat auch verteidigen.

Unvorstellbar! Er ist doch nicht dumm, er ist eine autonome Persönlichkeit und vor allem: Er wird ein Gewissen haben! Er hätte sich widersetzen oder sich zurückziehen und sich retten können?!

Manche meinen böse, er tut es wohl für eine Handvoll Dollar.

Unmöglich! Er hat genug davon und vor allem: Er wird ein Gewissen haben!

Wiederum andere: Vielleicht sieht er darin keine Ungerechtigkeit? Außerdem ist er dabei, uns doch schon ein paar Krümel zu erteilen?

Unmöglich! Valentin ist doch nicht blind! Valentin sieht alles! Valentin kann zwischen gerecht und ungerecht unterscheiden. Und vor allem: Valentin wird ein Gewissen haben!

Fragen über Fragen. Wir haben keine schlüssige Antwort. Dabei möchten wir es uns, unseren Kindern und Enkeln erklären können.

Hilf uns doch! Bitte, Bruder Valentin!

Wir bitten Dich!

Gib uns bitte wenigstens eine schlüssige Erklärung!

Wir bitten Dich!

Wir sind nicht verzweifelt und hoffnungslos, aber wir sind traurig und zutiefst verletzt, weil diese weitreichende und geschichtsträchtige Aufgabe einem unserer Brüder in Christus zugefallen ist und er bereit war, sie zu erfüllen.

Mit österlichen Grüßen und mit der Hoffnung auf die Gnade des Sehens und Verstehens nimm auch Du zum Herzen diese Stelle aus dem Evangelium über die Heilung eines Blinden (Joh: 9, 39-41):

"... Und Jesus sprach: Zum Gericht bin ich in diese Welt gekommen, auf dass die Nichtsehenden sehen und die Sehenden blind werden. Und etliche von den Pharisäern, die bei ihm waren, hörten dies und sprachen zu ihm: Sind denn auch wir blind? Jesus sprach zu ihnen: Wenn ihr blind wäret, so würdet ihr keine Sünde haben; nun ihr aber saget: Wir sehen, so bleibt eure Sünde."

Medjugorje, 17. April 2011                                      Petar Bilobrig

Medjugorje

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P.S.

Apropos Medjugorje! Bruder Valentin, vielleicht könntest Du lieber zum Gnadenbild Magna Mater Austriae nach Mariazell gehen.

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